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Trauergefühl - Erschöpfung

Viele von euch haben auf unsere Frage nach den präsenten Gefühlen auch die Müdigkeit, die Erschöpfung genannt.

 

Das ist auch etwas das ich nicht wusste bevor ich vor fast vier Jahren selbst betroffen war: dass Trauer unglaublich anstrengend und kräftezehrend ist.

 

Mir ist es auch erst wieder bewusst wenn sich ein intensiver Trauer-Tag eingestellt hat, so ein Tag an dem mir keiner was erzählen braucht von „Trauer ist Liebe“. Nach solchen Tagen fühle ich mich komplett verkatert. Müde, erschöpft, schlecht gelaunt, unmotiviert, träge, ziellos. Und „nebenbei“ soll ja auch noch der Alltag laufen, vielleicht Kinder versorgt werden, Arbeit erledigt usw.

 

Anders als beim „echten Kater“ kommt die Trauer aber ja meist uneingeladen. Unvorhergesehen. Ungeplant.

 

Für mich ist die Trauer ein ganz intensives Fühlen von vielen Gefühlen gleichzeitig. Diese Gleichzeitigkeit und Intensität ist es, was es so anstrengend macht. „Trauer ist Liebe“, ja. Aber auch diese tiefe Liebe ist anstrengend. Auch der unermessliche Stolz auf mein Kind. Intensiv.

 

Und all das ist okay. Es ist so und wir dürfen uns das zugestehen. Dass es erschöpfend ist und Energie kostet. Aus dieser Perspektive sprechen wir in der Beratung vor allem über zwei Aspekte, die hilfreich sind: über Selbstfürsorge und über bewusste Trauerzeit. Nehmt euch Zeit, gut für euch zu sorgen. Eure Reserven aufzuladen. Findet heraus, was euch guttut und erlaubt euch das. Denn die Eltern sind ebenso überrascht, wie müde die Trauer macht und dass sie schon die Hälfte des inneren Akkus verbraucht.

Das „bewusste Trauern“ hilft euch, die Trauer im Alltag zu verankern durch Routinen oder Rituale.

 

Bei mir brauchte es auch immer wieder die Erinnerung, dass es so anstrengend ist wie es ist. Unser Rituale waren und sind unter anderem das regelmäßige Spazieren zum Grab. So haben wir Bewegung an der frischen Luft und ganz bewusste Zeit für unseren verstorbenen Sohn und allen Veränderungen, die er in unser Leben gebracht hat. Denn auch diese ganzen Veränderungen sind - ihr ahnt es schon - anstrengend. Und das ist okay.

 

Wie ergeht es euch mit der Erschöpfung?

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