Ein liebevoller Ort der Erinnerung – bewusst gewählt, achtsam gestaltet

Wenn ein Sternenkind geboren wird, steht für viele Eltern plötzlich eine Entscheidung im Raum, die niemand sich je gewünscht hat: Wo soll unser Kind seinen Platz finden?
Diese Entscheidung muss oft sehr kurzfristig getroffen werden, in einer Zeit, in der Gefühle überwiegen und der Kopf kaum hinterherkommt. Umso wichtiger ist es,
einen Moment innezuhalten und sich bewusst zu informieren.
Wir möchten euch in diesem Beitrag einen Überblick über die verschiedenen Grabarten geben, wie sie auf Münchner Friedhöfen angeboten werden, und warum
es so wertvoll ist, sich vor einer Grabpachtung Gedanken über Gestaltung, Pflege und langfristige Möglichkeiten zu machen.
Warum sind bewusste Entscheidungen so wichtig?
Jede Grabart hat ihre eigenen Möglichkeiten und auch Grenzen bei der Gestaltung. Und jede Grabart bringt bestimmte Pflichten mit sich, die man als Pächter*in kennen sollte.
Wir wissen, wie groß der Wunsch ist, einen Ort zu schaffen, der Trost spendet, der persönlich ist, der das eigene Kind widerspiegelt. Gleichzeitig dienen die Regelungen der Friedhöfe dem Schutz von Natur, Tieren und der Würde aller Gräber.
Gerade auf naturnahen Friedhöfen wie dem Münchner Waldfriedhof leben Füchse, Dachse, Wildschweine, Gänse und Eichhörnchen. Sie verschleppen sehr gerne Dekorationen, zerrupfen Stofftiere und/oder ersticken an Luftballonresten. LED- Lichter können Tiere und Umwelt vergiften. Diese Regelungen sind also kein Hindernis, sondern ein Schutz für alle.
Welche verschiedene Grabarten für Sternenkinder gibt es in München?

1. Einzelgrab für Sternenkinder
Ein Einzelgrab ist eine individuell zugeteilte Grabstelle, die ausschließlich für ein Kind
vorgesehen ist.
Möglichkeiten:
- persönliche Gestaltung im Rahmen der Friedhofsordnung
- Grabstein/Kreuze, eigene Bepflanzung, Dekorationen
- regelmäßige Besuche und Pflege
Wichtig zu bedenken:
Ein Einzelgrab kann für viele Jahre gepachtet werden. Wir erleben immer wieder, dass Familien wegziehen oder die Pflege nicht mehr leisten können. Dann wirken Gräber verlassen; etwas, das niemand möchte, aber im Alltag schnell passieren kann.
2. Baumbestattung / Baumgrab / Friedwald
Bei einer Baumbestattung auf dem Friedhof oder auf einem Friedwald werden die Sternenkinder an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. Die Natur steht im
Mittelpunkt. Diese Form der Bestattung kann als tröstlich empfunden werden, weil der Ort sich im Jahreslauf verändert.
Möglichkeiten:
- sehr ruhiger, natürlicher Ort
- kleine, dezente Namensplaketten oder – je nach Friedhof/Friedwald – einzelne natürliche Elemente
- kein klassischer Grabstein
Wichtig zu bedenken:
Die Natur steht im Vordergrund. Dekorationen sind meistens nicht erlaubt, weil Tiere sie verschleppen oder sich verletzen könnten.
3. Grabanlagen für Sternenkinder
Einige Friedhöfe in München und Umland haben liebevoll gestaltete Anlagen speziell für Kinder. Hier teilen sich mehrere Familien einen gestalteten Bereich, wobei jedes Sternenkind seinen eigenen Platz hat.
Möglichkeiten:
- gemeinschaftlicher Ort
- Bepflanzung und Pflege der Anlage durch die Gärtner des Friedhofs
- ein größerer Stein oder Holzaufsteller mit dem Namen des Kindes (keine Grabsteine), kleine persönliche Elemente wie z. B. ein Windrad
- Keine eigene Bepflanzung, keine Zäune oder Einfassungen, keine Kieselsteine
Wichtig zu bedenken:
Die Gestaltung ist stärker eingeschränkt. Dafür ist die Pflege durch die Friedhofsverwaltung gesichert.

4. Familiengrab
Ein Familiengrab ist eine bereits bestehende oder neu gepachtete Grabstelle, in der mehrere Angehörige beigesetzt werden können, oft über mehrere Generationen hinweg. Für manche Eltern ist es tröstlich, ihr Sternenkind an einem Ort beizusetzen, an dem auch andere Familienmitglieder ruhen oder später einmal ruhen sollen.
Möglichkeiten:
- gemeinsamer Ort für mehrere Familienmitglieder
- individuelle Gestaltung im Rahmen der Friedhofsordnung
- Grabstein, Bepflanzung und persönliche Elemente möglich
- langfristige Nutzung über viele Jahre oder Jahrzehnte
Wichtig zu bedenken:
Ein Familiengrab ist meist mit einer langen Pachtzeit verbunden und erfordert regelmäßige Pflege. Es lohnt sich, gut zu überlegen, ob dieser Ort dauerhaft erreichbar bleibt und ob die Pflege über viele Jahre hinweg gesichert ist. Wir empfehlen, dass alle beteiligten Familienmitglieder einbezogen werden, da ein Familiengrab gemeinsame Entscheidungen erfordert.
5. Sternenkindergrabstellen der Kliniken
Sternenkindergrabstellen der Münchner Kliniken sind eine gemeinsame Ruhestätte für viele Sternenkinder. Es gibt sie auf fast allen Münchner Friedhöfen und stehen insbesondere für anonyme Bestattungen zur Verfügung. In vielen Fällen übernimmt die Klinik die Organisation der Beisetzung.
Möglichkeiten:
- würdevoller Ort, der regelmäßig gepflegt wird
- Gedenkfeiern , die von den Kliniken organisiert werden
- keine individuelle Grabpflege
Wichtig zu bedenken:
Es gibt keine individuelle Grabstelle. Persönliche Dekorationen sind meist nicht erlaubt oder nur an bestimmten Stellen. Die Bestattungen sind häufig kostenfrei, die genauen Regelungen unterscheiden sich jedoch je nach Klinik. Termine für Gedenkfeiern werden auf den Homepages der jeweiligen Kliniken veröffentlicht sowie auf unserer Website für München und Umland. Je nach Klinik werden die Urnen entweder an einem gemeinsamen Termin eingesetzt oder die Urne wurde bereits beigesetzt und es findet eine gemeinsame Gedenkfeier statt.
von Armin Arnold und Janina Scheffler für Sternenkindfamilie (Januar 2026)
