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Meine Gefühle und Erfahrungen als Freundin einer Sternenkindfamilie

 

Es gibt Nachrichten, die sich unauslöschlich in das Gedächtnis einbrennen. Für mich war einer dieser Momente, als ich erfuhr, dass meine Freundin Janina und ihr Mann Armin ein Sternenkind erwarten würden. Ich erinnere mich noch heute an viele Details.

 

Janina hatte an diesem Tag einen Termin bei ihrer Frauenärztin, darüber hatten wir Tage zuvor gesprochen. Als dann ihre Nachricht kam mit den Worten „Es ist etwas Schlimmes passiert“, hatte ich sofort ein ungutes Gefühl und habe direkt zurückgerufen. Als sie mir sagte, was passiert war, war ich wie gelähmt, geschockt und unendlich traurig.

 

Ich hatte mich so mit ihnen gefreut. Ich hatte sogar schon eine Karte und eine Kleinigkeit fürs Baby besorgt. Und plötzlich war alles anders. Ich wollte es nicht wahrhaben. Es fühlte sich an, als würde man innerlich gegen eine Wand laufen.

 

Was ich in dieser ersten Zeit tun konnte

 

Mir war schnell klar, dass es nicht darauf ankommt, die richtigen Worte zu finden. Es kommt darauf an, da zu sein. Ich habe zugehört. Ich habe versucht, einfach präsent zu bleiben. Nicht zu erklären, nicht zu relativieren, nicht zu trösten mit Sätzen, die am Ende nur wehtun.

 

Es kamen so viele Dinge auf die beiden zu: die stille Geburt, die bürokratischen Hürden und die Ungerechtigkeiten, die man als Außenstehende kaum fassen kann. Für mich war wichtig, diese Situation als das anzuerkennen, was sie war, eine zutiefst traurige, schwere Zeit, die Raum braucht.

 

 Was mich bis heute begleitet

 

Auch heute denke ich oft an diese Zeit zurück. Besonders an den Abschied auf dem Friedhof. So merkwürdig es klingt, er war schön, bedeutsam, würdevoll und sehr liebevoll.

 

Ich habe Louis gekannt. Nicht durch Begegnungen, aber durch die Schwangerschaft, durch die Gespräche und durch die Verbindung zu meinen Freunden.

 

„Es ist wichtig, innezuhalten und Louis weiterzutragen. Er bleibt in unseren Herzen.“

 

Warum ich für die beiden da war und weiterhin bin

 

Für mich stand nie die Frage im Raum, ob ich sie unterstütze. Unsere Freundschaft ist tief, lang und fast familiär. Natürlich bin ich da für Janina, für Armin und für ihre Tochter. Das war und ist für mich selbstverständlich.

 

Durchaus gab es Momente, in denen ich unsicher war. Wann darf man Hoffnung machen? Wann ist ein Blick nach vorn tröstlich und wann verletzend?

 

Ich habe schnell gemerkt, welche Sätze ich vermeiden möchte. Besonders den Gedanken „Ihr habt ja schon ein Kind“. Denn jedes Kind ist einzigartig, kein Kind ersetzt ein anderes.

 

Mir hat geholfen, achtsam zu sein. Lieber einmal mehr zuzuhören als zu viel zu sagen.

 

Warum ich mich beim Sternenkinderbaum engagiere

 

Die Erinnerungen an Louis bedeuten mir viel. Seit der Advents- und Weihnachtszeit 2023 engagiere ich mich beim Leipziger Sternenkinderbaum. Die Idee hat mich sofort berührt. Gerade in dieser Zeit ist der Verlust eines Kindes so schwer. Ein Fest der Familie, der Nähe, der Kinder und doch fehlt jemand.

 

Jedes Jahr, wenn ich meinen Anhänger für Louis an den Sternenkinderbaum anbringe, spüre ich, wie wichtig Erinnerungen und Rituale sind. Sie geben Halt, sie schaffen einen Moment des Innehaltens und sie zeigen, dass Sternenkinder Spuren hinterlassen.

 

„Es braucht einen Ort, an dem sichtbar wird, dass dieses Kind in unserer Mitte bleibt.“

 

Was ich anderen Freundinnen und Freunden mitgeben möchte

 

Ich habe viel gelernt. Vor allem eines: „Geht nicht auf Abstand. Auch wenn ihr unsicher seid, sagt es. Hört zu. Seid da.“

 

Man muss nicht betroffen sein, um Trost zu spenden. Und das Wichtigste: Sprecht über das Kind, nennt seinen Namen. Das bedeutet den Eltern so viel.

 

Mein Wunsch an alle Sternenkindeltern

 

Ich wünsche allen Eltern, die ein Sternenkind haben, dass sie einen guten Weg der Erinnerung finden, dass sie Unterstützung bekommen von Freunden, Familie, aber auch professionell und dass sie liebevolle Erinnerungen an ihr Kind haben.

 

 

 

Das Interview hat Janina von Sternenkindfamilie mit ihrer Freundin Patricia geführt.