4 Fragen an Veronika Maierhofer, Akut- und Trauerbegleiterin bei pränataler Diagnose oder Frühtod und Kinderwunschberaterin in Regensburg. Sie bietet einen offenen Treff für Menschen mit Kinderwunsch an und baut gerade ein lokales Sterneneltern-Netzwerk auf.
Maria: Du begleitest sowohl Menschen mit (unerfülltem) Kinderwunsch als auch Sternenkind-Familien. Gibt es Parallelen?
Veronika: Für viele Menschen stellen sich beide Erfahrungen als zutiefst existentiell dar. Verstirbt ein Kind im Laufe der Schwangerschaft, gerät für die meisten Eltern die Welt aus den Fugen. Ein solcher Verlust, die Trauer um ihr Baby und zugleich auch um die gemeinsame Zukunft ist nun, völlig ungefragt, ein eil ihres Lebens, mit dem sie umzugehen lernen müssen. Doch auch wenn die so sehnlich erhoffte Schwangerschaft ausbleibt, steht oft die ganze bisherige Lebensplanung auf dem Spiel, eigene Wünsche und Vorstellungen werden plötzlich fraglich.
Maria: Das ist auch eine Facette von Trauer, oder?
Veronika: Ja! Auch hier kommen oft komplexe Trauerprozesse in Gang, die es wahr- und ernst zu nehmen gilt – und das unabhängig davon, ob die Menschen kinderlos bleiben oder schlussendlich ein Kind in ihren Armen halten können. Besonders herausfordernd wird es, wenn beides zusammenkommt: wenn Paare bereits eine langwierige Kinderwunschzeit hinter sich haben und dann das so sehr ersehnte Kind verstirbt, kann dies in eine schwere Lebenskrise führen. Umso wichtiger ist es, bereits in der Kinderwunschphase gut auf sich und seine Ressourcen zu achten und sich ggf. Begleitung für diesen Weg zu suchen, der teilweise über Jahre gehen kann.
Maria: Wir kennen viele Eltern, die nach dem Verlust ihres ersten Babys auch eine große Trauer um ihre Elternrolle spüren, weil sie nun nicht aktiv Mama oder Papa sein dürfen. Und neben dem Schmerz weiterhin der Kinderwunsch so stark präsent ist...
Veronika: Damit sprichst du einen Punkt an, der häufig besonders schmerzhaft für die betroffenen Eltern ist: Gerade noch haben sie ein Kind erwartet und sich auf den Start in das gemeinsame Familienleben vorbereitet, und plötzlich läuft alles ins Leere. Viele sind innerlich zerrissen zwischen der großen Trauer und der Sehnsucht danach, wieder schwanger zu werden. Ganz wichtig ist es hier für mich, den Paaren mitzugeben, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Manche brauchen viel Zeit, um den Tod ihres Babys zu verarbeiten, bevor sie sich auf eine neue Schwangerschaft einlassen möchten, andere finden darin ihr Vertrauen ins Leben zurück. Für die Eltern geht es hier nicht etwa um einen „Ersatz“ für das verstorbene Kind, sondern darum, ihren eigenen Weg zu finden, um mit dem Verlust ihres Babys umzugehen – und der kann für jedes Paar, für jede Familie anders aussehen.
Maria: Was wünscht du Sternenkindfamilien?
Veronika: Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie isoliert man sich fühlen kann, wenn man jahrelang nicht schwanger wird oder aber, wenn das eigene Kind in der Schwangerschaft verstirbt. Daher wünsche ich allen, die diese schweren Krisen bewältigen müssen, eine einfühlsame Begleitung durch ihre Familien und Freunde, aber auch durch kompetentes Fachpersonal. Ich wünsche ihnen Menschen, bei denen sie sich in der Akutsituation und auch im Anschluss gut aufgehoben fühlen und das Wissen, dass sie nicht allein sind mit ihrem Schmerz!
Maria Postel (März 2026)
